| Dürener Zeitung vom 20.9.2005 | ||
| LINKS DIE FLASCHE, RECHTS DER ATLAS | ||
| Kabarettist Achim Konejung weist Wege aus dem deutschen Jammertal | ||
| NIDEGGEN, Kabarettist
Achim Konejung war bereits am Freitagabend im Rittersaal der Burg Nideggen
auf jedes nur erdenkliche Ergebnis der Bundestagswahl vorbereitet: Links
die Schnapsflasche und rechts den Weltatlas in der Hand harrte er während
seines Soloprogramms "Weltmeister" auf Einladung des Kreises Düren
der Dinge, die da kommen. "Egal, wer die Wahl gewinnt: Es wird die
Probleme des Landes auch nicht lösen", sprach er, griff imaginär
zur Pulle und bereitete sich - zumindest seelisch - auf die Auswanderung
vor. Wäre da nicht die bohrende Frage: "Wohin eigentlich?" Italien falle flach, solange Berlusconi regiert. Höchstens Südtirol sei möglich: "Italienisches Klima, deutscher Bohnenkaffee und tschechische Bedienungen", malt sich Konejung das mögliche Exil aus, das jedoch einen Schönheitsfehler hat: "die Faschistentaler Volksmutanten". Also lieber gleich in Deutschland bleiben, leiden und das Gejammer in den Talkshows angucken. "Schließlich sind wir ja Weltmeister im Jammern." Damit es wieder bergauf geht, hat Konejung eine einfache Lösung: "Aufrüsten - jeden Tag 100 Panzer." Da sei die IG Metall, weil Vollbeschäftigung, gleich mit im Boot. Die absehbare Pleite nach zehn Jahren gehört zum Plan, schließlich sei dies der Zeitpunkt, sich ein Land zum Einmarschieren zu suchen. "Aber nicht wieder in die DDR!", so Konejung, der rät, ein lohnenderes Ziel zu suchen. "Norwegen. Geld, Öl - und nicht in der EU." Für die Kampagne dürften die Grünen leicht zu gewinnen sein, könnte man doch vorgaukeln, die Wale vor blutrünstigen norwegischen Walfischfängern zu schützen. Konejung präsentierte knapp zwei Stunden lang Lösungen, die keine sind - mit vollmundiger Ironie und teils bösem Witz, der stets den Kern der Probleme traf. Sollte es wirklich einmal zu schlimm werden, hatte er auch dafür gleich eine unbrauchbare Lösung parat: Motivationstraining. Kostet viel, bringt nichts. Könnte bald aber nötiger sein, denn je: Die WM steht ins Haus. (S. Johnen) |
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| Kölner Stadt-Anzeiger vom 21.1.2005 | ||
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| Kölner Stadt-Anzeiger vom 25.9.2004 | ||
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| TAZ vom 17.9.2004 | ||
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| Kölner Stadt-Anzeiger vom 23.8.2004 | ||
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| Kölner Stadtanzeiger | ||
| Impressionen aus Dingenskirchen | ||
| Gibt es Helden in Chorweiler? Der Kabarettist suchte mit seinem "kleinen Programm zur großen Weltlage" eine Antwort auf diese knifflige Frage. | ||
| VON MARCEL GLUSCHAK | ||
| Chorweiler - Wo
sind unsere Helden? Die Zeiten, in denen man sich über Weicheier und
Warmduscher amüsierte, sind längst vorbei - weil wir alle gemerkt
haben, dass wir nicht über andere lachen, sondern über uns! Kabarettist
Achim Konejung hat jedoch die Suche nicht aufgegeben. Er kennt das Gegenstück
zum Weichei genau: das Landei! In seinem aktuellen Programm "Helden
wie wir" präsentiert uns der mit dem deutschen Kabarett- und dem
deutschen Kleinkunstpreis gekürte Künstler die "local heroes",
die Helden aus der Provinz. So auch bei seinem Auftritt im Chorweiler Bürgerzentrum,
bei dem rund 390 Zuschauer Kabarett vom Feinsten erleben durften.
"Auch ich bin ein Landei", outet sich Konejung mutig vor seinem Publikum, um dann gute zwei Stunden ohne Punkt und Komma darüber zu sinnieren, wie das Heldenhafte in der großen weiten Welt zunehmend ausstirbt. "Wo kommen wir denn da hin, wenn zum Beispiel die Grünen nach vier Jahren Regierung durchgeboxt haben, dass die Panzer nicht mehr Leopard heißen, sondern Igel? Womöglich kommt bald der Kampfbomber Spatz", schimpft der Energiebolzen aus Krefeld. "Mit mir nicht": Spricht´s und entlädt kabarettistische Provinzforschung auf die Zuschauer, die sich köstlich amüsieren. Im Kleinen, da ist die Welt noch in Ordnung: Der "Mikrokosmos des Dorfes" wird zum Treffpunkt skurriler Figuren, wie die des hektischen italienischen Reiseleiters, des nörgelnden Touristen aus Sachsen und des irakischen Asylbewerbers, dem seine Zeitgenossen den liebevollen Spitznamen "Salat Hussein" geben. Besonders diese rasanten Rollenwechsel machen Konejungs Vorstellungen zu einer schonungslosen Zwerchfellattacke. Doch auch als Improvisationstalent am Piano und brillanter Sänger sorgt er für eine abwechslungsreiche Unterhaltung. Als Großstädter wollen die Chorweiler Konejungs Provinztheorie
zuerst nicht so recht Glauben schenken. Doch auch dagegen weiß er
ein Mittel. Zum Schluss lädt das Landei zur Diashow ein. Impressionen
aus seiner Heimat "Dingenskirchen", einem Ort auf dem platten
Land, mitten in der "Schnittmenge von A 1, der A 4 und der A 61."
Beim Anblick der architektonischen Mutproben, die diese Einöde schmücken,
wird den Zuschauern sofort deutlich, dass es tatsächlich heldenhafter
Eigenschaften bedarf, um hier zu wohnen. Doch: Wer möchte kein Held
sein? Und so war sich das Publikum schließlich einig: "In jedem
von uns steckt ein Landei." |
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| Wiesbadener Tagblatt vom 1.3.2002 | ||
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| Berliner Morgenpost vom 9.1.2003 | ||
| Spitzfindige Notizen aus der Provinz | ||
| Er verschleppt
in eine Welt, in der Autonummernschilder wie Krankheiten klingen. In der
große Weltprobleme am kleinen Stammtisch weggezecht werden. Und in
der der zugewanderte Araber kumpelhaft "Salat Hussein" getauft
wird. Kabarettist Achim Konejung hat es vor ein paar Jahren aufs Land gezogen.
In eine 800-Seelen-Gemeinde, in der die Kirche noch im Dorf und das Asylantenheim
auf dem Acker steht. In der die einzige Kneipe nicht mehr "Bei Jupp",
sondern "Fantasy Garden" heißt. Und die ihn zu seinem neuen
Programm "Helden wie mir" inspirierte, das jetzt im Mehringhof-Theater
seine Berlin-Premiere erlebte.
Es sind die kleinen Leute, die Landeier und Kleinstädter, die Vorgartenhelden mit Eigenheim im argentinischen Steakhaus-Stil, die zum Ziel seines liebenswerten Spotts werden. Ja, liebenswert. Konejung, der rheinische Kabarett-Rambo, der gern mit bitterbösen Pointen zündelt, wirkt zahmer, gelassener, von der Landluft gezügelt. Er betreibt ethnologische Feldforschung zwischen Kartoffelacker und Doppelhaushälften mit Aztekenofen im Sieben-Quadratmeter-Garten. Er plaudert vom Öko-Freak, dessen Gehöft plötzlich mitten im Windpark steht oder von den Problemen der Dorfjugend im tiefergelegten Flitzer mit dem allgegenwärtigen Kreisverkehr. Natürlich, für ein paar Seitenhiebe auf den US-Präsidenten ("Der war mal Truckerfahrer. Drum sucht er immer die Achse des Bösen!") oder die Regierungsgrünen ("Früher hießen Panzer Leopard oder Tiger. Und heute? Transportpanzer Igel!") ist immer Platz. Und vor allem am Klavier beweist sich Konejung mit kräftigem Anschlag bravourös als Mischung aus Tom Lehrer und Randy Newman. Er demonstriert am Beispiel von James Horner, wie sich nur mit den ersten vier Tönen der Tonleiter ein ganzer Hollywood-Soundtrack (für "Der Sturm") zaubern lässt. "John Williams kommt sogar mit nur zwei Tönen aus", setzt er noch eins drauf - und hämmert die Musik zum "Weißen Hai" in die Tasten. Als wolle er beweisen, dass seine Ausführungen auf Tatsachen beruhen,
bittet Achim Konejung auch noch zum Diaabend. Da sieht man dann tatsächlich
die Dorfkirche, die Einfamilienhäuser im argentinischen Steakhaus-Stil,
den Stammtisch samt Spielautomat in der Dorfkneipe. Und die heißt
tatsächlich "Fantasy Garden". pem |
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| Mainzer Rheinzeitung vom 11.10.2002 | ||
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| Die Norddeutsche (Bremen) vom 18.11.2002 | ||
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| Kölner Stadtanzeiger vom 18.4.2002 | ||
| Kabarett mit Konejung | ||
| von kol | ||
| Recht hat er:
in jedem von uns steckt ein Bergheimer. Das behauptet Achim Konejung nicht
nur, er beweist es auch in "Helden wie mir", seinem neuen Programm,
das in seiner Heimat, einem 800-Seelen-Örtchen (davon 100 Asylbewerber)
angesiedelt ist. Und obwohl er in dem Flecken irgendwo in der Voreifel zwischen
der A 1, der A 4 und der A 61 seit acht Jahren wohnt, hat er den aufmerksamen
Blick für die architektonischen Schönheiten und verkehrsbedingter
Merkwürdigkeiten nicht eingebüßt.
Dabei erzählt Konejung in der Comedia nicht einfach von seinen Erfahrungen und Beobachtungen in dem zu Unrecht diffamierten und diskriminierten Landstrich, oh nein. Er holt ihn quasi auf die Bühne, samt ätzender Motorrad-Geräusche, die dem Traum vom idyllischen Landleben Hohn sprechen. Da gibt es zum Beispiel eine sehr einfach eingerichtete Kneipe namens "Fantasy Garden", in der außer dem Namen seit 40 Jahren nichts geändert wurde. Ein Dia-Vortrag am Ende des Abends bestätigt die vage Vermutung, dass dieses Kleinod menschlicher Kommunikations-Möglichkeit keineswegs der Fantasie des Kabarettisten entsprungen ist. Achim Konejung, eine Art Kreuzung aus Bruce Springsteen und Johnny Cash, ist gleichzeitig ein Entertainer mit satirischem Mehrwert. Wie er das babylonische Sprachgewirr in einem MacDonald's-Laden oder die sächsische Reisegruppe bei der Vesuv-Besteigung imitiert, gehört zu den lustigsten Stellen seiner Landpartie. Dass es unweit der Hauptstadt des Klüngels nicht "das", sondern "der" Auto heißt und die Spezies Schwager vom Aussterben bedroht ist, sind nur zwei von vielen erhellenden Beobachtungen, mit denen Konejung sein Publikum erheitert. Das dankte denn auch mit herzlichem Applaus. (kol) |
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| Kölner Stadtanzeiger vom 12.4.2002 | ||
| Sind wir nicht alle Bergheimer? | ||
| von Heike Nickel | ||
| Neue Helden braucht
das Land, meint jedenfalls Kabarettist Achim Konejung und macht sich in
seinem neuesten Programm auf die Suche nach denselben. |
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| Zülpich-Juntersdorf
- Wolfgang Niedecken und seine Jungs von "BAP" machen es,
und Kabarett-Star Achim Konejung tut es neuerdings auch: Bevor sie ihre
Kunst den kulturbeflissenen Großstädtern servieren, wird erst
der Ernstfall in der Eifel geprobt. Getreu dem Motto: Wenn sogar das gemeine
Landei lacht, dann hat die Spezies der Kölner bestimmt ihren Spaß.
Also keine Schmach für die Dörfler, immerhin konnten Mittwochabend rund 40 von ihnen als begeisterte Gäste von Konejungs Test-Gastspiel in Juntersdorf den Kölnern auf diese Weise eine lange Nase drehen. Die bekommen das Programm "Helden wie mir" nämlich erst am heutigen Freitag zu sehen.
Bei der "öffentlichen Generalprobe" in der "Akademie Zülpich" der IPEC Unternehmensberatung durfte man sich - bei freiem Eintritt - eine geballte Ladung Spaß abholen. Konejung erhielt im Gegenzug das, was ein Künstler kurz vor der Premiere braucht: Gelächter, Applaus und mutmachende Begeisterungsstürme. Die Wahrheit ist: Konejung lebt selber seit acht Jahren auf dem Land: "In einem kleinen Dorf zwischen der A1, der A 4 und der A 61." Wen also wundert es, dass sein neues Programm zahlreiche ethnologische Feldforschungen deutschen Heldentums beinhaltet. Konejung plaudert aus dem Nähkästchen und beweist ein scharfes Auge für Realitäten am Rande der Irrwitzes: Skat-und Stammtischrunden in der Dorfkneipe, Kreisverkehre und ihre besondere Bedeutung für die "getunte Dorfjugend", Windparkanlagen, Klinkerpaläste im argentinischen Steakhouse-Stil, sexuell unbefriedigte Taubenzüchter und Asylanten, denen liebevolle Beinamen wie "Salat-Hussein" zu eigen werden. Köstlich auch seine Ausflüge ins Reich der ostdeutschen Reisekultur. Wenn der Sachse den Vesuv erobert, bleibt kein Auge trocken. Überhaupt: Konejungs Sprachenvielfalt - sächsisch, fränkisch, italo- und russisch-deutsch - ermöglichen ihm einen rasanten Rollenwechsel, den er zu aberwitzigen, skurrilen Szenarien ausweitet. Politisch zeigte sich der mit dem deutschen Kabarett-und dem deutschen Kleinkunstpreis gekürte Künstler selbstredend nicht korrekt. Politisches Kabarett ist eben doch nicht tot, sondern kann, wie Konejung eindrücklich beweist, richtig fies-lustig sein.
Aufgelockert durch kurze, am E-Piano begleitete Lieder, blödelte Achim Konejung nahezu zwei Stunden lang ohne Punkt und Komma auf hohem Niveau: ein Energiebolzen allererster Güte, der sein Handwerk als Kabarettist wirklich versteht. Beinahe familiär wurde es, als er am Ende zur Diashow lud: Fotos
von seiner Heimat "Dingeskirchen", auf denen Konejung den Beweis
dafür lieferte, dass alles zuvor Gesagte nicht einer übersprudelnden
Künstlerphantasie entsprang, sondern Tatsachen widerspiegelt. Ob
sich der frisch vermählte Kabarettist nach der Premiere noch ungefährdet
in seiner Wahlheimat blicken lassen kann? "Sind wir nicht alle irgendwie
Bergheimer?", fragte denn Achim Konejung zum Schluss. Und es wagte
niemand, dies zu verneinen. |
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| Kölner Stadtanzeiger vom 4.2.2002 | ||
| Die Devise hieß: "Wer probt, ist feige" | ||
| Von Wolfgang Rau | ||
| Achim Konejung
ist einer der führenden Kabarettisten Deutschlands. Er wohnt seit Jahren
in Müddersheim bei Zülpich und erzählte kürzlich aus
seinem Leben Kreis Euskirchen - Er ist groß, blond und freundlich, sieht aus, als könne er kein Wässerchen trüben. Doch hinter dieser harmlosen Fassade verbirgt sich ein enormes Schlitzohr, ein scharfsinniger Beobachter, dessen lockeres Mundwerk nichts und niemanden verschont. Scherz, Satire, Ironie und musikalische Begleitung - das ist das Metier des Achim Konejung, der es nicht ungern hört, wenn er als "Powerpack" des deutschen Kabaretts bezeichnet wird. Seit Jahren wohnt der Inhaber des Deutschen Kleinkunstpreises in Müddersheim, wenige Kilometer von Zülpich entfernt. Konejung wird im März 45 Jahre alt, steht seit mehr als 20 Jahren auf der Bühne - und hat einiges zu erzählen. Geboren in Krefeld, verbrachte der Entertainer einige Jahre seiner Kindheit in Antwerpen. Seither gehören Fritten mit Mayo zu seinem Leben wie das Klavier, das er in seiner Jugend meisterhaft zu traktieren lernte. Später in der Schule in Krefeld gefiel es ihm so gut, dass er ihr wochenlang fern blieb. Das wiederum veranlasste seine Eltern, den Luftikus, der bereits mit 14 in verräucherten Kneipen Dixieland-Rhythmen in die Tasten haute, mit 18 vor die Tür zu setzen. Erst tingelte Konejung durch einige Wohngemeinschaften, um dann den ultimativen Kick in Otto Mühls Wiener Kommune zu suchen. Dort trieb nicht nur eine Kunstrichtung ihre Blüten, die als "Wiener Aktionismus" von sich reden machte, deren Protagonisten mit Blut, Exkrementen, toten Tieren und Selbstverstümmelung operierten, dort wurde auch der freien Liebe gefrönt. Doch nach dem Motto "erst die Arbeit, dann das Vergnügen" wurde Konejung der Maurerkolonne zugeteilt. Sein kommunales "Meisterstück" war der Bau der Kläranlage, die heute noch steht. Abends wurde dann, gemäß der Mühl-Utopie, der Mensch in die richtige Richtung therapiert. Selbstdarstellung in der Gruppe war angesagt, improvisiertes Theater. Dank seiner pianistischen Kenntnisse konnte Konejung sich auch da nützlich machen. Mit Unterbrechungen trieb der junge Revoluzzer im Schatten Mühls zwei Jahre sein Wesen. Zur Biografie gehört auch, dass er für 500 Mark ein Auto nach Teheran überführte, gutes Dope aus Afghanistan organisierte und zeitweise im KBW (Kommunistischer Bund Westdeutschlands) als selbsternannter Agitator herumturnte. Die Begeisterung für Che Guevara führte stracks in den Guerilla-Krieg. Dazu brauchte man eine Baskenmütze mit rotem Stern sowie einige Dosen Ravioli. Mutter Konejung fuhr ihren Sohn samt Kumpan im BMW zum "Kampfeinsatz" in die Schneeeifel. Dort war es aber arg ungemütlich. Also schlug sich das revolutionäre Duo bis zur Mosel durch, um von dort nach Paris zu trampen. Da es an der Seine so schön war, legte man den Guerillakrieg zu den Akten. 1978 wurde es dann ernst, unser Held musste zum Bund. Kaum hatte Schütze Konejung den Lkw-Führerschein gemacht, wurde er zu Höherem berufen. Als Klavierspieler traute man ihm zu, auch die Lyra bearbeiten zu können. So fand sich Achim Konejung alsbald in einem Spielmannszug wieder und durfte im Auftrag des Brigadegenerals in einer Baracke Preußens Gloria üben. Nach dieser so lehrreichen Lebensphase trieb es den Rastlosen in eine WG nach Nürnberg, später wieder nach Wien. Dort lernte er die Frau seines Lebens kennen, gönnte sich eine zweimonatige Schauspielausbildung nach den Regeln Lee Strassbergs und hatte seine Kabarettpremiere in einer Jazzkneipe - "die Eddie-Elend-Show." Es ging um Rasterfahndung, Rastafrisur, viel Comedy war im Spiel. Konejung erinnert sich: "Wir haben uns auf unser Genie verlassen und nie geübt, immer nach der Devise "wer probt, ist feige." Die Phase mit der Frau fürs Leben war nach zwei Jahren beendet. 1982 verschlug es den Künstler nach Hamburg . Erste Begegnung mit Horst Schroth, aber auch mit Conny Littmann und Ernie Reinhardt, der heute als Lilo Wanders sexuelle Aufklärung betreibt. Es folgte, quasi im Jahresrhythmus, ein Bühnenprogramm nach dem anderen, oft mit Horst Schroth. Am 15. Oktober 1989 traten die beiden erstmals mit "Gnadenlos deutsch" auf - am 9. November fiel die Grenze zur DDR. Das Programm kam "just in time" zum Vereinigungsprozess, Konejung und Schroth schwammen auf einer Erfolgswelle, erhielten 1991 den Deutschen Kleinkunstpreis. Bis zu 250 Auftritte im Jahr, das Geschäft brummte. 1994 war die Deutschland-Euphorie vorbei, Konejungs zwischenzeitlich geschlossene Ehe ging in die Brüche, die Kreativität verflüchtigte sich. Der Artist zog sich zurück nach Müddersheim ins Neffelbachtal, wo seine Tante, die Schauspielerin Gisela Keiner ("Die Anrheiner"), ihr Domizil in einer alten Mühle hat. Nach zwei lauen Jahren ging es dann wieder richtig los, 1997 wurde das Programm "Feuer unterm Arsch" aufgeführt, 2000 folgte "Echt abgefahren". Darin geht es zwar vornehmlich um Biografisches, um Belgien, den Zigarren qualmenden Opa, um die Liebe zu Zicken, aber auch die Begegnungen mit Sachsen sind zum Quieken. Apropos Sachsen: Wenn Konejung deren Idiom nachahmt, wenn er den Holländer, Franzosen oder Italiener macht oder gar wie ein Wasserfall Hessisch babbelt, dann bleibt kein Auge trocken. "Helden wie nix" heißt das neue Programm, an dem er zurzeit arbeitet und das im April in der Kölner Comedia uraufgeführt wird. Eine weitere "Heldentat",
die Konejung zurzeit vorbereitet: Im März will er erneut heiraten,
und zwar Bettina Lauterborn, die dann auch sein Management übernehmen
wird. Was sie schon jetzt weiß: Allzu oft wird ihr Mann nicht zu
Hause sein. Rund 150 Auftritte im Jahr jagen ihn, meist per Auto, durch
die ganze Republik |
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| Berliner Morgenpost vom 13.2.2001 | ||
| Warum Tantchen die Treppe runterfiel | ||
| Von Ulrike Borowczyk | ||
| Für sein neues Kabarettsolo hat
Achim Konejung den eigenen Stammbaum durchforstet Sucht der Kabarettist Ruhe und Erholung, fährt er nach Belgien. Achim Konejungs liebstes Ziel ist das Hohe Venn, jenes Hochmoor in den Ardennen, das bei Nebel eine erstklassige Gruselkulisse abgibt. Doch neben einem langen Spaziergang in einmaliger Landschaft schätzt der 43-Jährige dort vor allem die Fritten mit Mayo. Ihr Geschmack bedeutet so etwas wie Heimat für ihn. Schließlich ist der bekennende Rheinländer zwischen Krefeld, dem Siegerland und Flandern aufgewachsen, ist also Europäer von Kindesbeinen an. Und das zu Zeiten, als sich die EU noch mit EWG abkürzte.Heute lebt er in einem winzigen Dorf in der Voreifel in den ehemaligen Stallungen eines denkmalgeschützten Mühlenhauses. Hier bewacht er schon mal mit eiserner Faust die Hühner seiner Tante, der Schauspielerin Gisela Keiner, gegen räuberische Greifvögel. Zu diesen ländlichen Heldentaten plätschert auch noch ein kleiner Mühlenbach. Wenn es aber mit der malerischen Idylle zu arg wird, stapft Konejung Richtung Dorfkneipe, deren Name «Fantasy Garden» jeden Romantiker binnen Sekunden auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Angesichts von Neonlicht, Radiogedudel und dem Radau der billardspielenden Dorfjugend regt sich nach ein paar Gläschen Kölsch stets die Satirikerseele des blonden Hünen und er sinniert dann am Tresen gern über seine völlig bekloppten Vorfahren: Den katholischen Priester, den evangelischen Sektenprediger, den Wünschelrutengänger und den versoffenen Astrologen. Nimmt man noch den Handelsgold-Zigarren paffenden «Oppa Charly» dazu, der seinerzeit den Kontinent vor allem in den Gegenden von Ypern und Verdun unsicher machte, ist ein abendfüllendes Kabarettprogramm komplett. Ab Dienstag kann man diese grotesk verschlungene Sippschaftssaga mit dem Titel «Echt Abgefahren!» im Mehringhof Theater sehen. «Ich glaube, wenn sich jeder die Mühe machen würde, in seiner Familienbiografie nachzuforschen, dann würden etliche Leute auf merkwürdige oder unangenehme Dinge stoßen. Vergangenheitsrecherche ist doch seit Joschka Fischer wieder in», meint Achim Konejung. Dann gibt er zu: «Bei unserem Clan ist es geradezu auffällig, wie außergewöhnlich viele verrückte und mystische Typen sich da tummeln.» Es handele sich um die Linie seines Vaters, wie Mutter schon spitz bemerkt habe. Protest gegen das Programm gab es von einer angeheirateten Tante, wie der gebürtige Krefelder mit süffisantem Unterton berichtet: «Sie hat sich fürchterlich aufgeregt, wurde aber von der Verwandtschaft über den 85-prozentigen Wahrheitsgehalt aufgeklärt. Daraufhin hat sie sich so geärgert, dass sie die Treppe runterfiel und ins Krankenhaus kam. Eine Freundin, die in ihrem Auftrag spionieren sollte, fand die Show auch noch toll.» Tantchen soll geraucht haben vor Zorn. Was nun Dichtung und was Wahrheit ist, weiß Achim Konejung selbst nicht mehr ganz genau: «Wenn ich schildern würde, wie es wirklich war, würden die Zuschauer denken, ich übertreibe.» Als Träger des Deutschen Kleinkunstpreises 1991, des Deutschen Kabarettpreises 1998 und Mitbegründer des legendären «Reichspolterabends» hat der ehemalige Bühnenpartner von Horst Schroth allerdings nach zwanzig Jahren Satire hinlänglich Erfahrung mit den Blüten seiner wild wuchernden Fantasie sammeln können. Dabei hat sich der Künstler immer auch als Entertainer verstanden: «Ich setze unterschiedlichste Stilmittel ein, komponiere etwa Songs. Allein durch die Musik habe ich eine relativ große Bandbreite.» So erscheint im Herbst eine Sammlung satirischer Liebeslieder in Jazztriobesetzung: «Club Chérie». Parallel dazu bereitet Achim Konejung sein Sommerprogramm «Eurodeppen» mit den Kollegen Arnulf Rating und Urban Priol vor, feilt an einer speziellen Weihnachtstour und sammelt schon für sein nächstes Solo in anderthalb Jahren. Vorher aber erzählt er uns noch seine aberwitzige Familienstory, umrahmt von einem sarkastischen Ausblick auf ein europäisches Jahrzehnt unter deutscher Führung. |
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| Kölnische Rundschau | ||
| Pommes spezial | ||
| Kabarettist Achim Konejung ist "echt
abgefahren" Von Ingo Petz |
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| Das Kabarett ist längst nicht tot, auch
wenn dies gerne von Deutschlands Kulturwächtermagazinen gemutmaßt wird.
Statt die humoristische Lage von der comedygegängelten Mattscheibe aus zu
beobachten, sollten sich die Totengräber des Kabaretts mal in die Kleinkunsttheater
begeben. Großes Kabarett ist dort kein Einzelfall, so wieder gesehen in
der Comedia: Achim Konejung ist schon seit 20 Jahren im Geschäft - der Sympathicus
gehört aber nicht zu den Heroen der Fernsehwirklichkeit, eben weil er störrisch
an der klassischen Kunst festhält. "Echt abgefahren" heißt das neue Programm des rheinischen Komödianten mit dem bissig-bösen Zungenschlag. Diesmal erzählt Konejung Autobiografisches, vor allem von seinen Wurzeln im kulturhistorischen Spannungs-Dreieck Flandern, Krefeld und Europa. Da geht es um kulinarische Spezialmixe wie "Pommes mit Spätzle" oder um ganz intime Eingeständnisse des Junggesellen Konejung ("Ich verlieb mich nur in Zicken"). Der Träger des Deutschen Kleinkunstpreises hat eine bestechende Beobachtungsgabe für das groteske Miteinander des nach neuen Ideologien hungernden Vernunftwesens Mensch. So entdeckt Konejung die schmuddelige RTL-2-welt als endlich verwirklichte Diktatur des Proletariats, und wo die Intellektuellen den Hang zu den großen "Ismen" längst begraben hat, gräbt Konejung ihn wieder aus und präsentiert den "Zlatkoismus". In dieser kabarettistischen Beobachtungsflut löst Konejung Pointenwellen aus, die den Zuhörer subtil in einen Erkenntnisprozess hineinspülen. Lachen alleine hilft da nämlich nicht, um sich von der Spannung auf Brust und Magen zu befreien. Dieser typische Effekt des kunstvollen Wortkabaretts lässt sich nur durch die nach der Vorstellung in Gang gesetzte Interpretationsmaschinerie beschwichtigen. Konejung macht Kabarett im ursprünglichen Sinn, mit seinem Talent ist er schon über den Titel von Hildebrandt und Co hinausgeeilt. |
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Kritik der Uraufführung von 'Echt abgefahren!', Mainpost vom 10.3.2000 |
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| Achim Konejung begeistert mit seinem neuen Kabarett-Solo im Bockshorn | ||
| Schätze aus dem Pointenbergwerk | ||
| von Max Schmidt "Echt abgefahren!" wie der Titel, so das Ergebnis der neuerlichen Zusammenarbeit von Achim Konejung und Mathias Repiscus. Einen kabarettistischen Aschermittwoch der Extraklasse erlebten die Besucher der Premiere von Achim Konejungs neuen Kabarett-Programm im Sommerhäuser Bockshorn. Unter der bewährten Regie von Bockshorn-Chef Mathias Repiscus lässt der 43-Jährige Rheinländer seine Zuhörer mit "Echt abgefahren!" teilhaben an der deutsch-belgischen Geschichte seiner Familie und der daraus resultierenden speziellen Sicht auf das heutige Europa. Ausgangspunkt seines vom Publikum mit großer Heiterkeit aufgenommenen Feuerwerks der Pointen und Seitenhiebe ist die Beerdigung eines 98-jährig gestorbenen Großonkels. Und schon hagelt es sarkastische Schläge für besondere Exponenten in Europas Politik- und Medienlandschaft. Rudi Carrell sei die Rache Hollands für den Zweiten Weltkrieg. Und die Österreicher "müssen für Haider bluten". Großbritanniens "Geheimwaffen", die Küche und der Rinderwahnsinn, werden ebenso aufgespießt wie "der Pate von Oggersheim" und andere Unionsgestalten. Und angesichts der Begegnung mit einem Sachsen in Prag stellt sich Konejung die Frage: Wo hört Europa auf? Die Steinewerfer auf Deutschlands Autobahnen werden angeprangert. Und die "Diktatur des Proletariats" durch die Privatsender, deren Chefs Österreicher seien. Bei "Big Brother" fällt ihm sofort George Orwells "1984" ein, beim "kleinen Braunen" und bei "Ski Heil!" Jörg Haiders Ambitionen (Öster-)Reichskanzler zu werden. Ganz besonders gelungen ist die Prediger-Parodie mit dem Appell an alle Konejünger und Konejüngerinnen. Und die Glanzlichter setz der Wortartist seinem "echt abgefahrenen" Programm immer dann auf, wenn er am Klavier seine musikalischen Qualitäten beweist, etwa mit seiner Jerry-Lee-Lewis-Nummer, dem Lied auf stressige Frauen im Barrelhouse-Stil oder seinen besinnlich-elegischen Balladen "wenn ich morgens aufwach..." und "wie das Leben vergeht": ( Der Rezensent meint "Du bist Schuld" und "Alles aus Liebe". Anm. d. A.) Nach knapp zwei Stunden und viel Szenenapplaus gab es begeisterten Schlussbeifall, zwei Zugaben und Konejungs Bekenntnis zum "Pointen-Bergwerk" Bockshorn und zu seinem Leiter Mathias Repiscus, der wieder mal einen Schatz gehoben hat. Die Vorstellungen heute und morgen sind ausverkauft. Doch Achim Konejung kommt wieder: Im Juni und im Oktober (Aufnahme einer CD im Bockshorn) mit "Echt abgefahren!", im Juli und August als Mitwirkender des Freilicht-Spektakels "Eurodeppen 2000" im Sommerhäuser Schloßgarten. |
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Zu 'Feuer unterm Arsch': Einfach vor den Baum fahren |
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| Kabarettist Achim Konejung spielt
im Unterhaus sein neues Programm Von Andreas Singler MAINZ. Wenn das Kasperl heutzutage auf den Teufel trifft, endet das nicht zwingend mit Prügel für den bösen Buben. Der Kasper im zeitweiligen Puppentheater des Kabarettisten Achim Konejung trifft nämlich auf den "Steuerteufel", und der obsiegt immer. Und macht dem braven Mann, wie der Programmtitel bereits andeutet, "Feuer unterm Arsch". "Schön", sagt Konejung, "wenn das nur Kasperltheater wäre. Es ist ein Streifzug durch die Dienstleistungs- und Mediengesellschaft den der Kölner Kabarettist Achim Konejung in seinem Soloprogramm im kleinen Unterhaus unternimmt. Der 42jährige (zweifache) Träger des Deutschen Kleinkunstpreises hat sich zum Ausgang des zweiten Jahrtausends aufgemacht, die Zukunft zu erkunden. Was nicht immer einfach ist, da die Gegenwart schon schwer genug zu bewältigen ist und jede Menge Stolpersteine bereithält. Das fängt bei der Handhabung des Anrutbeantworters an und hört mit der Programmierung des Videorecorders noch lange nicht auf: "Mein Computer hat Gates." Von Biographie geprägt Achim Konejung macht ein für seine Generation typisches Kabarett, gestaltet von der eigenen Biographie. Zu jung, um ein 68er zu sein, zu alt, um sich mit moderner Technik auszukennen. Zu bewußt, um all die Pseudotrends mitzumachen, zu gleichgültig für echte Passionen. Egozentrisch, was das persönliche Befinden angeht, andererseits aber auch um die Rettung abendländischer Kultur besorgt, die diese Generation noch kennenlernen durfte. "Wir bräuchten eine Bildungsreform, und was haben wir? Eine Rechtschreibreform." Im aktuellen Programm wirft Achim Konejung all seine Talente in die Waagschale. Er ist ein kluger Denker, wobei er kein tagespolitischer Wortkabarettist ist. Er ist ein glänzender Schauspieler, der den tapsigen Verlierer ebenso spielen kann wie den aalglatten Geschäftsmann. Manchmal erzeugt der grandiose Entertainer durch sparsame Gesten erstaunliche Wirkungen, wenn er etwa den wie ein kleiner Bub staunenden Politiker mimt, der gerade von Bonn ins gewaltige Berlin umgezogen ist. Zudem ist er ein passabler Interpret eigener satirischer Chansons. Und er kann erzählen. Seine von den alltäglichen Erfahrungen zehrenden Geschichten beschreiben über privates Erleben hinaus den Zustand der modernen Gesellschaft. Was da so läuft, geht nicht nur Achim Konejung mächtig auf die Nerven. "Ich gehöre zur ersten Generation, die mit dem Fernsehen aufgewachsen ist", erzählt Konejung und meint damit aus heutiger Sicht pädagogisch wertvolle Sendungen wie "Bonanza", "Flipper" oder die Augsburger Puppenkiste. Heute dagegen strotzt der Medienbetrieb nur so von Perversitäten, und der Zeitgeist überschlägt sich im Herausbringen von bescheuerten Trends. Sein Tip für Erlebnishungrige: "Einfach mit dem Moped vorn Baum fahren - Narbing surprise! Aus: Mainzer Rheinzeitung vom 22.1.1999 |
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| Klarer Punktsieg für Achim Konejung | ||
| Qualitätssatire der gehobenen Preisklasse
am Samstagabend im Offenburger Spitalspeicher OFFENBURG. Er ist groß, etwa einsneunzig. Fünftundachzig Kilo, also Schwergewicht. Kräftige Hände, gute Beinarbeit, beweglich. Er teilt aus wie ein Boxer. Er schwitzt wie ein Boxer. Er präsentiert sich wie ein Boxer (zumindest auf seiner CD). Nicht ohne Grund: Sein Beruf ist dem eines Boxers recht ähnlich. Er ist Kabarettist, betreibt nach eigener Aussage einen Satireservice. Am Samstagabend bot er seinen Dienst im Offenburger Spitalspeicher an, vor ausverkauftem Haus. Das spricht zunächst nicht für ihn, denn Konejung dürfte in Offenburg weitgehend unbekannt sein, anders als in seinem Stammland, dort, wo der Karneval zu Hause ist. Daß die Hütte voll war, liegt wohl eher an der Beliebtheit des Genres. Die zahlende Kundschaft hatte keinen Grund, sich zu beklagen. Die von Konejung gelieferte Ware ist Qualltätssatire der gehobenen Preisklasse. Den einen oder anderen lauen Kalauer sollte man dabei akzeptieren. Aufgrund der breiten Angebotspalette - Konejung bietet zwei Stunden gutes Programm - ist das immer mal drin, außerdem sind die Geschmäcker verschieden. Und seine Satire hat auch (fast) immer Schärfe. Von den Unverbindlichkeitsfanatikern, die die Comedy-Szene bevölkern, hebt er sich deutlich ab. Er ist am besten dann, wenn er sein beachtliches schauspielerisches Talent einsetzt oder wenn er am Klavier sitzt. Ersteres ist meistens der Fall, letzteres tut er im richtigen Maß. Seine musikalischen Parodien sind ausnahmslos vergnüglich, schön getroffen der Grönemeiersche Tiefenschorf und die Allerweltsmetaphorik von "Pur". Noch besser sind seine eigenen Lieder und Chansons. Der Mann könnte die Renaissance des deutschen Couplets einleiten, wenn er sich ernsthaft darum bemühte. Dabei ist seine Domäne der Uppercut gegen die Diensfleistungs-, Fastfood- und Fun-Generation, die den Kauf von Edamer-Käse oder die Abgabe von Pfandpflaschen zum Event stilisieren muß und die ihr emotionales Vakuum auffüllt mit Verschwörungstheorien über Dianas Tod oder - eine Generation drunter - mit Designerklamotten, Love Parades und Nadeln im Geschlechtsteil. Da werden aggressive Untertöne spürbar. Da wird Konejung zum Boxer, der wendig und agil sein Thema austänzelt, um dann nach einer Serie gut gesetzter Pointen den K-.o.-Punch anzubringen. Die Trefferquote liegt gut, mindestens achtzig Prozent. Klarer Punktsieg für Konejung. Robert Ullmann Aus: Badische Zeitung vom 19.1.1999 |
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| "Wein' nicht um mich, kleine D-Mark" | ||
| Achim Konejungs Satire-Solo im Mehringhof Wir werden abgezockt, gnadenlos. Ein Blick auf die monatliche Gehaltsabrechnung zeigt, daß es unsere Vorfahren im finsteren Mittelalter besser hatten. Damals mußte nur ein Zehntel des Vermögens an den bösen Fürsten abgeliefert werden. Heute jedoch ist selbst die Rente keine Versicherung mehr, sondem eher eine Wette. Patentrezepte gibt es keine, auch nicht in Wahlkampfzeiten. Da kann nur das Kabarett Abhilfe schaffen. "Feuer unterm Arsch" nennt Achim Konejung seinen Satireservice zur Jahrtausendwende, den der Entertainer aus dem Rheinland erstmals in Berlin präsentiert. Im Gegensatz zu seinem Duo-Programm mit Horst Schroth, das vor allem auf Spielszenen setzte, hangelt sich Konejung im Alleingang durch einen Monolog, der so unterhaltsam wie beliebig und über weite Strecken auch pflegeleicht ist. Ein bißchen Politik und jede Menge Zeitgeist: Von der europäischen Einigung ist es nicht weit bis zur Love Parade und zur Erotik im Alltag, wobei natürlich das Fernsehen ("Sex total auf jedem Kanal") eine Breitseite abbekommt. Und wenn man schon über Feldbusch & Co. redet, ergeben sich die Zoten wie von selbst - Konejung läßt keine davon aus. Was den Abend im Mehringhof-Theater "very entertaining" macht, sind die szenischen Mittel, die der Deutsche Kabarett-Preisträger so lässig wie virtuos einsetzt. Da tritt der Steuerkasper gegen den Schuldenteufel (mit ganz dicken Augenbrauen) an, da wird der Zuschauer zum Seminarteilnehmer bei "Wie werde ich reich". Als holländischer Dozent Kies Vermehren läuft Konejung zu darstellerischer Hochform auf. Ein Trumpf, den der Humorist früher auf der Bühne verbarg, wird in "Feuer unterm Arsch" voll ausgereizt: das musikalische Talent des Achim Konejung. Wenn er am Klavier, frei nach "Evita", seine Euro-Hymne "Wein' nicht um mich, kleine D-Mark" anstimmt oder Elton John boshaft verfremdet, dann reicht das in manchem genialen Moment sogar an den kabarettistischen Übervater Georg Kreisler heran. Uwe Sauerwein Aus: Berliner Morgenpost vom 29.8.1998 |
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| Frech und zielsicher | ||
| Achim Konejung, ausgezeichnet mit
dem Kabarettpreis Von Hans B. Küppers "Globalisierung, Liberalisierung, Automatisierung. Und was wird aus mir?" Gute Frage. Im Medienund Informations-Dschungel landet der Sinnsuchende schnell in der Sackgasse. Auch Kabarettisten haben es da nicht leicht. Lassen wir die Sucherei lieber sein und lachen statt dessen über diejenigen, die mit Body-Piercing, Management-Seminaren und ISDN-Anschlüssen den Weg zum eigenen Ich finden wollen. Wer so richtig "Feuer unterm Arsch" hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Mit seinem gleichnamigen Programm gastierte Achim Konejung im Leichlinger Kulturcafé. Im extrem gutbesuchten Saal inszenierte der frischgebackene Träger des Deutschen Kabarettpreises eine halsbrecherische Momentaufnahme eines nationalen Dorfes auf dem Weg ins "global village". Konejung läßt nichts aus, wenn er von gut gezielten Gemeinheiten Richtung Bonn hin zu herrlich verrückten Nonsens-Szenarien seiner grausamen High-Tech-Welt stolpert: "Letztens habe ich aus Versehen meine Video-Club-Karte in den Geldautomaten geschoben und dann die Geheimzahl meiner Garage eingegeben. Und was krieg' ich? 400 Sloty!" Gerade noch freut er sich über die FDP-Schlappe in Niedersachsen, und landet dann nahtlos bei seinen liebsten Melodien aus vergangenen Femsehtagen. Oder er sitzt einfach am Klavier und spielt ein kleines, ausgesprochen freches Liedchen. Aber wir alle wissen ja: "Wer viel über Sex redet, hat selber keinen...äh, verstehen Sie mich nicht falsch, ich mach das hier beruflich." Schließlich muß auch er seine Altersvorsorge treffen, denn "die Rente ist keine Versicherung, sondern eine Wette. Wir wetten mit dem Staat, daß wir über 65 werden." Achim Konejungs Auftritt war die letzte Veranstaltung im Kulturcafe vor der Sommerpause. Michael Völker vom Kulturamt und Initiator der Kabarenreihe im Café am Stadtpark, zeigte sich zufrieden mit der vergangenen achten Saison: Immer volles Haus, jedesmal ein begeistertes Publikum und eine gesicherte Finanzierung allein durch die Anzeigen im Programmheft und die Eintrittsgelder - im vergangenen Herbst wurden innerhalb von nur vier Wochen über sechzig Abonnementkarten verkauft. Und es sieht nicht so aus, als würde sich das in der kommenden Spielzeit ändern - so wie das Publikum Achim Konejung am Ende der Vorstellung feierte, wird wohl auch von Oktober an, zu Beginn der neuen Saison, das Café nicht leer bleiben. Aus: Kölner Stadt-Anzeiger vom 14./15.3.1998: |
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| Aliens sausen durch die City | ||
| Achim Konejung im Frankfurter Kabarett
"Die Käs" Federnden Schritts stürmt der hochaufgeschossene Mann den Raum, kennt nur ein Ziel: das Stativ mit dem Block. Gleich wird er wie in jedem Außendienstseminar hier seine Thesen und Therapien illustrieren. Achim Konejung erklärt sich zuständig für den Satireservice und liefert seinen Beitrag zum neuen Dienstleistungsstandort Deutschland. Seine Analysen einer Zeit im Auf- und Umbruch zeigen ihn als professionellen Querdenker. Für sein Feuerwerk der absurden Betrachtungen und Vergleiche bedient sich der Kabarettist, der jetzt mit seinem Soloprogramm im Frankfurter Kabarett "Die Käs" gastiert, mühelos im Alltagsleben. Etwa bei der Post, für die man sich einen Tag Urlaub nehmen müsse und bei der es Pralinen statt Briefmarken gebe, während man sein Päckchen gleich bei Tchibo abholen könne. Oder er läßt sich über die Kombigeräte aus Anrufbeantworter und Fax aus, die nie und nimmer funktionierten. Aber selbst bei der Polizei müsse man nach Dienstschluß seinen Hilferuf auf Band stöhnen. In Deutschland. weiß der Träger des deutschen Kabarettpreises von 1997, florieren nur noch die Beerdigungsunternehmer und die Unternehmensbeerdiger. Wer hier dank falscher Anlageberatung pleite gehe, werde 30 Jahre lang in die Schuldvollstreckung genommen. Wer dagegen seinen Bankberater erschieße, komme schneller wieder frei. Ähnlich sei es mit dem Apparat für den ISDN-Anschluß, der einem endlose Warteschleifen beschere und mit dem man im Glücksfall nur Radio Bukarest empfange. Hinterher sei die Entsorgung als Sondermüll zudem noch teurer als die Anschaffung. Wenn sich Konejung am Flügel niederläßt, mit wuchtigen Akkorden ein Kampflied gegen Bettler. Wahlkampfwerber und politische Sparsamkeitsprediger eröffnet, hat er die kleine Gemeinde im Nordendkabarett "Die Käs" längst erobert. Denn mit eigensinniger Logik verweigert er sich Gewohnheiten und Denkschemata. Und für seine eingängigen Provokationen findet der Kabarettist mühelos Anlässe. So geht er die Steuerquote mit dem Hinweis an, daß man im "ach so finstren" Mittelalter dem Bürger nur den zehnten Teil genommen hat. Und vom restlichen Geld müsse man heute auch noch die Grund-, Mehrwert-, Tabak- und Mineralölsteuer bezahlen. Wer dagegen etwas vom Staat wolle, erhalte statt der Bildungs- nur eine Rechtschreibreform. Daß es in Deutschland, falls das Land nicht in eine AG mit Stammaktien für die Angehörigen anstelle von Geburtsurkunden umgewandelt werde, auch auf Europakurs keine Besserung gebe, untermalt der Kabarettist mit einem klassischen Potpourri: Birgit Breuel fungiert hier als Walküre, die Brüsseler Bürokraten dienen als Gefangenenchor, und Bankdirektor Hilmar Kopper bekommt ein Solo mit "Hello Dollar". Dann aber macht Konejung Ernst, wechselt in der Pause das grüne gegen ein weißes Hemd, zieht die Krawatte auf und nimmt sich den kollektiven Freizeitpark vor. Fußgängerzonen mit Aliens auf Rollen. Wartelisten für Fitneßstudios und Mittelalterhokuspokus mit Hexenverbrennung vor der Benetton-Boutique, ein wie von Arno Breker gestyltes Volk in Muskelshirts und ein in Piereing und Tattoos schwelgender Körperkult analysiert er als Symptome der Vergnügungssucht. Achim Konejung sucht nicht die bequeme Position. Er nimmt auch die "Kids" von heute, die Stand-by-Generation ins Visier, ohne daraus eine Kampagne zu machen. Schließlich gilt es noch, zurück in der Seminarleiterpose vom Anfang, die Chancen auf dem Arbeitsmarkt als Käsekonsulter, Girlie an der Kasse oder Nahverkehrskartenberater mit Entwertungsperformance zu skizzieren. Ein Blick muß auch noch auf die neue Religiosität mit Diana-Erscheinungen oder Diana-Statuen inkusive Blutwunder geworfen werden. Schließlich ist den Zuschauern eine - streng nach den deutschen Rabattregeln bemessene - Zugabe zu verabfolgen. JÜRGEN RICHTER Aus: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 6.3.1998 |
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| Satireservice vom Erz-Komödianten | ||
| KASSEL . Kabarettist ist viel zu
wenig, will man Achim Konejung beschreiben. Er steht nicht einfach auf der
Bühne, gibt seine satirische Sicht der Welt wieder und breitet als Höchstmaß
an körperlichem Einsatz ab und an die Arme aus. Konejung bietet alles, bis
zum letzten durchgeschwitzten Hemd. Der Mann vom Niederrhein. 1990 mit dem
Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet, ist ein Erz-Komödiant. Seinen "Satire-Service"
namens "Feuer unterm Arsch" spielte er im proppenvollen Burma
am Samstag abend als Mehr-Personenstück mit ihm in allen Rollen. Schickte
ein verschmitztes Lächeln ins Publikum, gab seltsame Laute von sich und
riß die Augen weit auf - all dies kann er auch schnell nacheinander, wenn's
sein muß. Motivationstrainer Wundervoll, wie Konejung den holländischen "Motivationstrainer" sprachlich perfekt zu geben weiß: Immer schön positiv denken und das Wort "Flocken" (warum auch nicht?) schreien, dann klappts' auch mit den Nachbarn. Das Thema Steuern wurde als Kasperle-Theater inszeniert, der Euro als Mini-Musical, mit dem großen Herrn Konejung am eher kleinen weißen Klavier. Dieser Abwechslungsreichtum ist sicher auch ein Verdienst von Regisseur Mathias Repiscus, künstlerischer Leiter des Würzburger Bockshorn-Theaters. Von der Form zurück zum Inhalt: kalauernde Ausfälle blieben selten. Ja, da mußte die heutige Teenie-Mode herhalten und die ewige Mär vom sorgenfreien Beamten, aber ansonsten beherrschte Konejung die Kunst, alltägliche Absurditäten zunächst im Jargon des "Mannes von der Straße" aufzugreifen, um sie sogleich ins Groteske kippen zu lassen. Schließlich ging es in weiten Teilen um die Dienstleistungsgesellschaft - ein dankbares und geradezu unerschöpfliches Thema für Bösartigkeiten aller Art. Der donnernde Applaus des Publikums war Achim Konejung sicher. Auch wenn nicht jeder schon einmal vier Kilo abgenommen hat, während er auf den Service der Telekom wartete. Kann ja noch kommen. Iris Herscher Aus: Hessisch-Niedersächsische Allgemeine
vom 1.2.1997 |
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